Wenn mal ältere Schneeberger fragt, wie früher zu der Halle neben der Raiffeisenbank gesagt wurde, dann hört man fast ausschließlich nur „ess Laacherhausch“, „daus de Kasse“ oder auch die „Darlehnskasse“.
Volksbanken/Raiffeisenbanken waren in unserer ländlichen Region früher sehr oft mit Lagerhäusern verbunden. Dort konnte man alles Mögliche kaufen - vom Handwerksgerät, Werkzeug, über Saatgut, Düngemittel usw., halt alles, was die Landbevölkerung zu ihrem Broterwerb benötigten. Dort gab es aber auch für die Bauern eine Annahmestelle für ihre Produkte.
Da der Platz neben dem Lagerhaus sehr groß war, wurde er von den Schneebergern auch gern als Festplatz genutzt. Mit Holzpfählen und -stämmen wurde ein Gerüst gebaut (das Lagerhaus diente auf einer Seite zur Befestigung) und dieser Anbau wurde dann mit riesigen, schweren Planen bestückt. Im Lagerhaus waren dann das Materiallager und die Versorgungsstände, draußen unter der Planen saßen die Gäste.
Kelterbetrieb und Mostverkauf der Raiffeisenkasse Schneeberg
(Erinnerungen von Gerhard Hörst, ehemaliger Direktor der Raiffeisenkasse)Als erstens wurde ein Haus und eine Scheune von Josefine Bauer in der Nähe der Ringstraße (hinter „Henneschuster“) gekauft. Die Genossenschaft hat in den 50 Jahren eine automatische Mostpresse von der Firma Kleemann in Esslingen erworben. Für die damalige Vorstandschaft der Genossenschaft war dieser Kauf vorausschauend, aber gleichzeitig auch mit großem Risiko verbunden.
Da schon bald die Scheune zu klein und eine Erweiterung an diesem Standort nicht möglich war, hat man sich in den Dorfwiesen eine größere Fläche vom damaligen Mühlenbesitzer Robert Berberich gekauft. Dort wurde Ende der 50er Jahre ein Lagerhaus für Landesprodukte (Dünger, Futtermittel usw.) mit Kelterei gebaut.
In den ersten Jahre wurde nur Lohnkeltern betrieben, d.h. der Landwirt hat nur seine eigene Äpfel gekeltert und den Saft anschließend mit nach Hause genommen. Die Genossenschaft hat zum Keltern nur den Maschinisten gestellt, alle weiteren Arbeiten mussten von der jeweiligen Familie selber getätigt werden.
In der Folgezeit gab es natürlich (wie heute auch) Jahre, in denen die Landwirte mehr Apfel hatten, als wie für den Eigenverbrauch benötigt wurde. Die Genossenschaft hat daraufhin den Landwirten, die Mitglieder waren, die zu viel geernteten Äpfel abgekauft und in Eigenregie als Saft verkauft oder zu Most verarbeitet.
Zur Information: Der Kelterpreis betrug im Jahr 1962 für 100 kg Obst 3,20 DM.
Dem Kelterarbeiter wurde zudem ein Stundenlohn von 3,00 DM bezahlt.
Weiterhin wurde von der Genossenschaft ein Fahrzeug der Marke Opel-Blitz gekauft und damit den Saft/Most für Leute, die keine Äpfel hatten, in den Keller geliefert. Der Apfelwein war und ist das Hausgetränke unserer Region. Weiterhin wurden sechs Tanks a 50 hl angeschafft. Damit stand ein Fassinhalt von 300 hl zur Verfügung, um den Most zu Apfelwein auszubauen, der anschließend zum Verkauf angeboten wurde.
Die Keltersaison war für das Personal der Raiffeisenkasse jedes Jahr eine sehr aufregende Zeit. Dank guter Mitarbeiter wurde das Apfel- und Mostgeschäft jedoch stets gut über die Runden gebracht, wenn auch ab und zu sogar bis in den frühen Sonntag hineingepresst wurde.
Im Jahr 1999 wurde das Gelände sowie Gebäude an die Gemeinde Schneeberg verkauft. Die Gemeinde ließ das alte „Lagerhaus“ abreißen und erstellte ein Gemeinschaftshaus für die örtlichen Vereine und einen kleinen Saal für Veranstaltungen, das beliebte heutige „Dorfwiesenhaus“!