Mit dem Lenze-Gehöft besitzt der Markt Schneeberg ein außergewöhnliches Zeugnis seiner Ortsgeschichte. Das historische Anwesen im Hangweg verbindet den im Jahr 1568 erbauten Gewölbekeller mit einer modernen, nachhaltig errichteten Kelterhaus-Scheune und einer einzigartigen Handwerkerausstellung. Entstanden ist ein Ort, an dem Geschichte erlebbar wird und der die Vergangenheit mit der Zukunft verbindet.


Die Geschichte des Anwesens

Über die frühe Geschichte des Kellers ist nur wenig bekannt. Überliefert ist, dass im 19. Jahrhundert drei Junggesellen aus Hettigenbeuern das Anwesen erwarben und dort Weinbau betrieben. Später gelangte es in den Besitz der Familie Lenz, deren bekanntester Bewohner der Schneeberger Förster und Jäger Heiner Lenz war. Gemeinsam mit seiner Frau Ida und den drei Kindern lebte die Familie viele Jahre in diesem Gehöft. Bis heute erinnert der Name "Lenze-Gehöft" an diese Familie.

Nach mehreren Eigentümerwechseln wurde das Gebäude kaum noch unterhalten. Es stand lange leer und verfiel zunehmend. Schließlich stellte die Bausubstanz sogar eine Gefahr für die Nachbarschaft dar.

Im Jahr 2015 erwarb der Markt Schneeberg das Anwesen mit dem Ziel, den historischen Keller zu erhalten und gleichzeitig einen wichtigen Beitrag zur Altortsanierung zu leisten.


Heimatarchiv Schneeberg
Eine alte Luftaufnahme vom Lenze-Gehöft
Heimatarchiv Schneeberg
Das Lenze-Gehöft vor den Baumaßnahmen

Ein gemeinsames Projekt von Gemeinde und Kellerfreunden

Die Umsetzung des Projektes wurde durch das europäische LEADER-Förderprogramm der LAG Main4Eck möglich. Voraussetzung war eine aktive Bürgerbeteiligung sowie eine nachhaltige Nutzung des Gebäudes.

Diese Anforderungen passten ideal zu den Zielen der Kellerfreunde Schneeberg e.V. Bereits in der Vereinssatzung ist die Förderung des Denkmalschutzes, der Denkmalpflege sowie der Heimatpflege fest verankert. Deshalb beteiligte sich der Verein von Beginn an intensiv an Planung, Projektentwicklung und später auch an der praktischen Umsetzung.

Während der Markt Schneeberg als Eigentümer Bauherr des ersten Bauabschnitts war, übernahmen die Kellerfreunde die Projektleitung, organisierten die Bürgerbeteiligung, beschafften zahlreiche Baumaterialien kostenlos oder zu besonders günstigen Konditionen, investierten erhebliche finanzielle Mittel und leisteten einen außergewöhnlich hohen Anteil an Eigenleistungen.


Nachhaltiges Bauen mit historischem Charakter

Der historische Gewölbekeller sowie der ehemalige Kuhstall blieben vollständig erhalten. Das baufällige Wohnhaus und Nebengebäude mussten dagegen abgebrochen werden. Über dem Keller entstand eine neue Holzständerkonstruktion im Stil einer traditionellen Kelterhaus-Scheune. Zusätzlich wurde eine neue Außenanlage mit Natursteinmauern und Freiflächen geschaffen.

Bei der gesamten Baumaßnahme stand Nachhaltigkeit im Mittelpunkt. Das Bauholz stammt aus dem Schneeberger Gemeindewald. Zahlreiche historische Baumaterialien konnten wiederverwendet werden:

  • Sandsteine des Altbaus sowie eines weiteren Abbruchhauses in Schneeberg wurden für Stützmauern und Außenanlagen verwendet.
  • Ein historischer Sandstein-Krautstenner wurde in die Außenmauer integriert.
  • Gebrauchte Dachziegel wurden vor ihrer Entsorgung gerettet und kostenlos für das neue Dach verwendet.
  • Historische Türen und ältere Fenster sowie weitere Bauteile fanden an ihrem neuen Platz im Lenze-Gehöft eine dauerhafte Verwendung.
  • Fensterbänke entstanden aus den Abrisshölzern der ehemaligen Schneeberger Schule.

Durch dieses konsequente Wiederverwenden historischer Materialien entstand ein Gebäude, das sowohl ökologisch als auch denkmalpflegerisch beispielhaft ist.


Heimatarchiv Schneeberg
Selektiver Rückbau und Recycling der Baustoffe
Heimatarchiv Schneeberg
Viele Materialien wurden erhalten oder wurden wiederverwendet

Beeindruckendes ehrenamtliches Engagement

Das Lenze-Gehöft ist vor allem ein Beispiel dafür, was durch ehrenamtliches Engagement möglich wird. Die Kellerfreunde organisierten kostenlos Baumaterial im Wert von rund 35.000 Euro und investierten zusätzlich mehr als 23.000 Euro an eigenen Vereinsmitteln in das Projekt. Insgesamt wurden rund 1.900 Arbeitsstunden geleistet. Darin enthalten sind nicht nur die eigentlichen Bauarbeiten, sondern auch Planung, Organisation, Arbeitsvorbereitung sowie die Herstellung verschiedener Hilfskonstruktionen.


Restaurierung des historischen Kellers

Im zweiten Bauabschnitt wurde der historische Keller umfassend restauriert. Lüftungsschächte wurden freigelegt und eine neue Entlüftung wurde installiert. Dadurch konnte das Raumklima deutlich verbessert werden. Zusätzlich wurde eine dezente Beleuchtung eingebaut, die sich stilgerecht in den Raum einfügt.

Heute dient der Keller als authentischer Veranstaltungsraum für Kellerführungen und Moschtverkostungen. Ein eigens errichtetes Fasslager erinnert an die lange Tradition der Mostherstellung in Schneeberg.


Die Handwerkerausstellung

Im Obergeschoss entstand eine Handwerkerausstellung, die zahlreiche traditionelle Berufe dokumentiert und an das frühere Arbeitsleben in Schneeberg erinnert. Zu den Ausstellungsstücken gehören unter anderem:

  • eine historische Drechselbank mit originalem Transmissionsantrieb
  • zahlreiche Werkzeuge des Wagner-, Schmiede- und Schreinerhandwerks
  • eine umfangreiche Hobelsammlung
  • restaurierte Türen der ehemaligen Schreinerei Götzinger
  • historische Holzmasken des Schreinermeisters Eduard Schwab
  • großformatige Fotografien des historischen Dorflebens sowie der früheren Streuobstlandschaft

Ein besonderes Highlight bildet der historische Schneeberger Webstuhl aus dem Jahr 1824. Nach umfangreichen Recherchen im Archiv des Fürstenhauses zu Leiningen konnte festgestellt werden, dass dieser Webstuhl ursprünglich aus Schneeberg stammt und sich seit 1913 im ehemaligen Heimatmuseum Amorbach befand. Durch die Unterstützung der Fürstlich-Leiningischen Verwaltung kehrte der Webstuhl nach über 110 Jahren als Dauerleihgabe an seinen ursprünglichen Standort zurück und bildet heute das Herzstück der Ausstellung.

Die Ausstellung wird kontinuierlich erweitert. Weitere Bereiche, unter anderem zum Schuhmacher- und Schneiderhandwerk, sollen künftig ergänzt werden.


Heimatarchiv Schneeberg
Ein historischer Schneeberger Webstuhl aus dem Jahr 1824
Heimatarchiv Schneeberg
An verschiedenen Stationen werden alte Bauweisen beschrieben

Ein lebendiger Ort der Heimatgeschichte

Das Lenze-Gehöft ist kein Vereinsheim der Kellerfreunde. Vielmehr soll es ein lebendiger Ort für die gesamte Bevölkerung sein. Das Gebäude wird in die Kellerführungen eingebunden und bietet Raum für Vorträge, historische Gesprächsrunden, Ausstellungen, Veranstaltungen der Gemeinde sowie Bildungsangebote für Schulen und Besuchergruppen. Im Sommer 2026 beschloss der Markgemeinderat, diesen Ort auch als Außentrauraum zu widmen! Gemeinsam mit dem KelterHausMuseum entsteht damit ein weiterer wichtiger Baustein der Schneeberger Heimatgeschichte.

Begleitend werden die historischen Hintergründe sowie zahlreiche Exponate digital dokumentiert und über das Heimatarchiv Schneeberg der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.


Ein Vorzeigeprojekt für nachhaltige Denkmalpflege

Das Lenze-Gehöft zeigt eindrucksvoll, was entstehen kann, wenn Gemeinde, Ehrenamt, Förderprogramme, Unternehmen und engagierte Bürger gemeinsam an einem Ziel arbeiten.

Durch die Verbindung von historischer Bausubstanz, nachhaltiger Bauweise, regionaler Materialverwendung, umfangreicher Eigenleistung und moderner Nutzung entstand ein Gebäude mit Vorbildcharakter. Es bewahrt nicht nur die Geschichte Schneebergs, sondern macht sie für kommende Generationen lebendig erlebbar.

Das Lenze-Gehöft ist damit weit mehr als ein restauriertes Gebäude – es ist ein Symbol für gelebte Heimatpflege, bürgerschaftliches Engagement und den verantwortungsvollen Umgang mit dem kulturellen Erbe unserer Gemeinde.




Impressionen

  • Konzeption: Bernhard Pfeiffer
  • Quelle: Bernhard Speth
  • Foto: Bernhard Pfeiffer
Lenze-Gehöft https://heimatarchiv-schneeberg.de/images/header/lenze-gehoeft.jpg#joomlaImage://local-images/header/lenze-gehoeft.jpg?width=2500&height=884 Super User
Wir benutzen Cookies

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.