Eigentlich könnten wir das Schwedenloch auch unter „verschwundene Orte“ führen, denn so wirklich ist es mitten in einem kleinen Wäldchen nicht mehr vorhanden. Man kann es nur noch erahnen, wenn man direkt davorsteht.

Aber was nicht ist, kann ja mal werden! Vielleicht findet sich einmal eine Gruppe Freiwilliger, die sich aufmachen, um die Grube/Mulde mal zu säubern und zu entleeren. Und wenn dann noch ein paar alte Stämme drüber liegen würden, wäre gedanklich man zurück im 17. Jhd.

Von damals erzählt man sich folgende Geschichte:


Das „Schwedenloch“ im Hambrunner Wald

In den Städten und Dörfern der Umgebung hatte die Bevölkerung große Angst vor den kriegslüsternen und Verderben bringenden schwedischen Soldaten. So auch in dem, auf einem Bergrücken liegenden, kleinen Dörflein Hambrunn, das vom Tal aus recht gut zu sehen ist.

Eines Tages fielen die Schweden auch in den kleinen Höhenort ein. Wie ein Lauffeuer ging es um, dass die Schweden-Soldaten mit den Leuten sehr barbarisch umgehen würden. Die ersten Einwohner waren den fremden Kriegshorden bereits zum Opfer gefallen. Schnell flüchteten die Bewohner in den Wald, in Richtung des badisches Dörfchens Hornbach. Sie suchten dort nach einem sicheren Versteck vor den heranbrausenden Schweden, um dem Tod zu entgehen.

Sie schufen rasch eine Höhle, besser gesagt ein Erdloch, umgeben von Felsen, in der Waldabteilung Birkig, um vor neuerlichen Angriffen gut versteckt zu sein. Zur Tarnung wurde diese Felsvertiefung, in dem 20 bis 30 Personen Platz finden konnten, mit Baumstämmen abgedeckt. Abermals kamen die schwedischen Verfolger nach Hambrunn und durchsuchten die Wälder mit ihren Spürhunden, weil das Dorf wie ausgestorben war. Immer näher kamen sie dem Unterschlupf und die geängstigten Flüchtlinge fürchteten ihre Entdeckung. Schon sahen die Bedrängten von der Höhle aus die suchenden Hunde mit ihren Führern herankommen.

In höchster Not flehten sie Gott um Hilfe an und gelobten, wenn er ihr Leben erhalte würde, alljährlich zum Heiligen Blut nach Walldürn zu wallfahren. Und das Wunder geschah: Die Feinde eilten vorüber und die Hambrunner Bevölkerung war gerettet!


Hintergrund

„Schwedischen Soldaten, die sich brandschatzend durch unsere Region, unter anderem auch in Richtung Schneeberg bewegten, kannten wenig Gnade für die Bevölkerung. Bewohner, Häuser, Höfe und Nutztiere wurden Opfer von Gewalt und Gräueltaten.“

Wie kam es dazu?

Der furchtbare 30-jährige Krieg, der von 1618 (Auslöser war der bekannte „Prager Fenstersturz“) bis 1648 (Ende durch den „Westfälischen Frieden“) in vielen Ländern Europas, insbesondere auch in Deutschland wütete, brachte viel Leid über die Bevölkerung. In Süddeutschland verlor fast ein Drittel der Einwohner in den Kriegswirren ihr Leben.

Die Hauptursache für den Beginn dieses Krieges war die Reformation des christlichen Glaubens. Das schwedische Königshaus unterstützte die Reformationsbestrebungen, die von Martin Luther angestoßen wurden, von Anfang an.

Im Juli 1630 landeten die Schweden, angeführt von König Gustav Adolf von Schweden, erstmals auf deutschem Territorium (Usedom) und griffen an der Seite der Reformer in Deutschland militärisch in den Krieg ein.

Von nun an war ihr Vormarsch auf Süddeutschland nicht mehr aufzuhalten. Im Laufe der Kriegsjahre verbündeten sie sich mit den sächsischen Truppen und konnten erstmals 1634 nach der verheerenden Niederlage der Schlacht bei Nördlingen zurückgedrängt werden. Mit dem „Prager Frieden“ 1635 hörte der Dreißigjährige Krieg endgültig auf, ein Religionskrieg zu sein. Die Schwedischen Truppen zogen sich in der Folgezeit vollständisch nach Norddeutschland zurück.

Der darauffolgende, sogenannte Schwedisch-Französischer Krieg, bei dem es neben territorialen auch um dynastische Interessenkonflikte ging, endete letztendlich als Territorialkrieg im Jahre 1648.

  • Konzeption: Bernhard Pfeiffer
  • Quelle: Ewald Winkler, Geopark-Vor-Ort-Begleiter, Schneeberg
  • Quelle: Josef Trunk und Thomas Haas, Hambrunn
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